Mehr Generationen Haus Miteinander der Generationen
Schriftgrad ändern A  A+  A++   
Kontakt  Impressum  Sitemap  
     Sie befinden sich hier: Presse - 2011 - Erfahrungsbericht: Tagesfahrt in nördliche Elsass 
schmuckband

Erfahrungsbericht: Tagesfahrt in nördliche Elsass

Lothar Gräber, Teilnehmer an der Tagesfahrt ins nördliche Elsass, gebührt Dank für den im Weiteren zu lesenden Erfahrungsbericht:

Tagesfahrt ins nördliche Elsass am 1. Oktober 2011

„Miteinander der Generationen“ im Verein mit der Evangelischen Kirchengemeinde SLS und Herrn Prof. Dr. Hans-Walter Hermann riefen und viele, viele kamen: Eingeladen war zu einer Tagesfahrt in den Regionalen Naturpark Nordvogesen mit dem pittoresken Ort La Petite-Pierre sowie ins nördliche Elsass mit den historischen Orten Saverne, Neuwiller, Bouxwiller und Weiterswiller. Der Termin kurz nach Herbstbeginn war gut gewählt, denn just zu der Zeit bestimmte ein stabiles und lang andauerndes Hoch in weiten Teilen unseres Kontinents das Wetter mit viel Sonnenschein und relativ warmer Luft. Für den Reisetag 1. Oktober verhieß der Tages-Wetterbericht sonniges, trockenes Wetter und Temperaturen bis 24 Grad; und tatsächlich, schon morgens bei der Abfahrt um 8.oo Uhr deutete sich an, dass in punkto Wetter nicht zuviel versprochen wurde.

 

Nach Zustieg der letzten Reiseteilnehmer in Saarbrücken waren dann 46 gut gelaunte, erwartungsfrohe Menschen unterwegs ins nördliche Elsass. Etliche kannten sich bereits von früheren Fahrten oder vom informativen, Neugierde erweckenden Einführungsvortrag des Professors gut vierzehn Tage vorher. Schon auf dem Weg zum ersten Etappenziel La Petite-Pierre (deutsch Lützelstein) wies Herr Prof. Dr. Hermann auf vieles Wissens- und Sehenswerte hin, so z.B. auf die für diese Gegend charakteristischen Birkenalleen oder die Tatsache, dass weite Teile des durchfahrenen „Krummen Elsass“ während der Feudalzeit zur Grafschaft Nassau-Saarbrücken gehörten. Die gut erhaltene Oberstadt von La Petite-Pierre liegt auf einem lang gezogenen, auf drei Seiten steil abfallenden Bergrücken und eignete sich so hervorragend für die Anlage von Befestigungen (ähnliche Spornlage wie der Ort Berus im Kreis Saarlouis - Anm. des Professors). Bei einem Rundgang, immer begleitet von den fundierten und aus einem reichen Wissensschatz schöpfenden Erklärungen und Erläuterungen unseres Reiseführers, konnten die Sehenswürdigkeiten der früheren Felsenfestung besichtigt werden: Das anstelle der zerstörten Burg aus dem 12. Jh. gegen Ende des 16. Jh. erbaute Schloss (heute Museum und Sitz der Naturpark-Verwaltung); die Festungsanlagen aus dem 17. Jh. (wie an so vielen Orten hatte auch hier der den Saarländern wohlbekannte Festungsbaumeister Vauban seine Hände bzw. seine Planungsgedanken im Spiel) mit einer letzten Modernisierung um 1830; die Kirche „Maria Himmelfahrt“ mit ihrem spätgotischen Chor aus dem Jahr 1417 und den darin befindlichen erst vor rund 150 Jahren wiederentdeckten bedeutenden Wandmalereien; die gut erhaltenen Bürgerhäuser, und vieles andere mehr.

 

Die weitere Reiseroute führte uns über den nur 410 m hohen Vogesenpass Col de Saverne hinab in das verkehrstechnisch und strategisch exponiert am Aufstieg zur „Zaberner Steige“ liegende Städtchen Saverne (deutsch Zabern). Schon zur Römerzeit war das bereits damals befestigte Tres Tavernae ein beliebter Rastplatz. Im 10. Jh. fiel der wichtige Ort an die Bischöfe von Straßburg, die im 15. Jh. das Alte Schloss, im 18. Jh. das Neue Schloss erbauen ließen. Dies alles und noch mehr zu den angesteuerten Zielen erfuhren wir von unserem Professor während eines Stadtrundganges mit den Hauptpunkten Rhein-Marne-Kanal, Neues Schloss, Altes Schloss, gotische Pfarrkirche „Maria Geburt“ mit einem mächtigen Turm aus dem 12. Jh. und einer reichen Ausstattung (z.B. Steinkanzel, Taufstein, Hl. Grab usw.), ehemaliges Rekollektenkloster mit einem auf das Jahr 1303 datierten Kreuzgang mit sehr schöner Ausmalung aus dem 17. Jh. und einem historischen Garten. Danach war es Zeit für die wohlverdiente Mittagspause. Diese wurde vielfach zur Stärkung des leiblichen Wohls genutzt, aber auch zu weiteren Erkundungen wie z.B. zu einem Bummel durch die Fußgängerzone Grande Rue mit den sehr schön restaurierten Fachwerkhäusern (z.B. Maison Katz), zur Besichtigung der mitten in der Stadt an einer belebten Straße gelegenen Kanalschleuse oder des Kanalhafens, Bummel durch den Schlossgarten usw.

 

Pünktlich um 14.15 Uhr waren alle wieder am Bus und nach kurzer Fahrzeit war das nächste Ziel erreicht, die nur knapp 20 km von Saverne entfernte Ortschaft Neuwiller-lès-Saverne (deutsch Neuweiler). Hier wartete ein einheimischer Fremdenführer auf uns, der uns durch ein kunst- und baugeschichtliches Kleinod ersten Ranges führte: die monumentale ehemalige Abteikirche St. Pierre et St. Paul mit Bauteilen aus Romanik (Krypta, Chor mit angebauter Doppelkapelle, Querhaus mit mächtigem Vierungsturm ab 11. Jh.), Gotik (mehrere Joche des Kirchenschiffs, 13. Jh.) und Klassizistik (Westturm und Fassade, 18. Jh.). Die 1496 in ein weltliches Stift umgewandelte und in der französischen Revolution aufgehobene Abtei war bereits im 8. Jh. von dem Abt und Wanderbischof St. Pirmin gegründet worden. Innen zeigte uns der Einheimische mit sichtlichem Stolz die reichhaltige Ausstattung, u.a. das auf etwa 1300 datierte sehr schöne Hochgrab des hl. Bischofs Adelphus, ein Hl. Grab von 1478 und vor allen Dingen als kostbarsten Schatz die berühmten vier Basler Bildteppiche vom Ende des 15. Jh. mit Darstellungen aus dem Leben des hl. Adelphus. Insbesondere hier wurde er nicht müde, uns auf viele Einzelheiten in den Bilddarstellungen hinzuweisen, die sonst dem Betrachter -wahrscheinlich- verborgen geblieben wären. In dem kleinen Ort sahen wir uns noch eine weitere große und beachtenswerte Kirche an, die ehemalige Kollegiatskirche St. Adelphe, die seit 1563 den Protestanten gehört. Auch ihr Baubeginn geht bis auf das 12. Jh. zurück; allerdings wurde der gesamte Chor 1823 abgebrochen, so dass nur ein Gebäude in T-Form (Langhaus und Querhaus mit mächtigem Vierungsturm) übrig blieb.

 

Nächstes Ziel war der nur wenige Kilometer entfernte Ort Bouxwiller (deutsch Buchsweiler), Ende des 13. Jh. in den Rang einer Stadt erhoben und lange Zeit Verwaltungszentrum des sog. Hanauer Landes (benannt nach den rechts- und linksrheinischen umfangreichen Besitztümern der mächtigen Grafen von Hanau-Lichtenberg). In dem heute knapp 4000 Einwohner zählenden Ort wollten wir die 1614 unter Verwendung älterer Teile erbaute evangelische Kirche besichtigen, insbesondere die Inneneinrichtung mit der für den protestantischen Ritus typischen Ausrichtung der -hier zweistöckigen- Emporen auf die Kanzel und der Silbermann-Orgel von 1777/78. Aber leider war die Kirche verschlossen, und in der Kürze der Zeit war der Schlüssel nicht aufzutreiben. Schade  -  so mussten wir uns mit der Beschreibung unseres Professors und der Ansicht von außen begnügen; wir bummelten durch das wirklich sehenswerte Städtchen mit seinem Blumenschmuck und seiner alten Bausubstanz (Rathaus, Reste der Stadtmauer, Fachwerkhäuser usw.) zurück zum Bus und steuerten das letzte Ziel des Tages an, die evangelische Kirche in dem nahe gelegenen Dörfchen Weiterswiller (deutsch Weitersweiler). Das Kirchlein mit Baubeginn im romanischen Stil enthält beachtenswerte Wandmalereien aus dem 15./16. Jh. und vier Grabmäler der Familie von Fleckenstein (leider durch den nachträglichen Einbau einer Kanzel und die franz. Revolution arg in Mitleidenschaft gezogen). Die Wandmalereien waren nach der Einführung des protestantischen Glaubens in dem Örtchen übertüncht worden und überdauerten so die Zeiten, sind allerdings durch verschiedene Umbauten wie z.B. nachträglicher Einbau und Vergrößerung von Fenstern und andere Arbeiten während der Zeit der Übertünchung nicht mehr vollständig erhalten. Dies alles und noch weitere Einzelheiten erfuhren wir von dem einheimischen Vorsitzenden des Heimatvereins, auch er sichtlich stolz auf das in dem kleinen Örtchen vorhandene bau- und kunstgeschichtliche Kleinod.

 

Unser vorgesehenes Tagesprogramm war damit „abgearbeitet“, auch war die Zeit schon weit vorgeschritten. Wir machten uns also nach einem schönen Tag voll bleibender Eindrücke auf den Heimweg und fuhren über La Petite Pierre, Drulingen, Sarre Union und Sarreguemines ins Saarland zurück. Sicher wäre mancher Fahrtteilnehmer froh gewesen, hätte man an dem einen oder anderen Ziel etwas mehr Zeit zur Verfügung gehabt, um sich noch ausführlicher mit dem Gesehenen und Gehörten auseinanderzusetzen. So aber könnte und sollte die Fahrt für jeden Einzelnen auch Anregung sein, das Elsass mit seiner reichen Geschichte, den vielen schönen Dörfern, Städtchen, Kirchen, Burgen, Museen usw., nicht zuletzt auch wegen der dort gebotenen kulinarischen Genüsse, einmal auf eigene Faust zu besuchen und zu erkunden.

Der Dank aller Fahrtteilnehmer für diesen unvergesslichen Tag gilt dem Vorbereitungs-Team - hier ist Herr Reiter zu nennen - und insbesondere Herrn Professor Dr. Hermann, ohne den die Fahrt sicher ein Ausflug wie tausend andere gewesen wäre und nicht dieses intensive Erleben von Kunst und Geschichte geboten hätte.

Logo Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend    
Kontakt  Impressum  Sitemap